Artenförderung: Schleiereulen und Turmfalken

Artenförderung: Schleiereulen und Turmfalken

 

Die Schleiereule brütet in der Schweiz im offenen Kulturland nördlich der Alpen, mit wenig Ausnahmen unterhalb von 700 Meter über Meer. Dank einer Reihe von milden Wintern konnte sie ihr Verbreitungsgebiet zwischen den 1970er- und 1990er-Jahren leicht Richtung Voralpen und in etwas höhere Lagen des Juras ausdehnen. Als Höhlenbrüter bewohnte sie ursprünglich Baumhöhlen, aber seit langer Zeit sucht sie sich Nistplätze an Gebäuden, vor allem in Scheunen am Siedlungsrand. Doch geeignete Brutplätze sind rar, da neuere Gebäude und Stallungen keine Spalten, ausgebrochene Teile oder Löcher mehr haben  und so für die Vögel nicht mehr zugänglich sind. Immer noch gehen Brutplätze bei Renovationen verloren, obwohl die Bereitschaft für ihre Erhaltung gestiegen ist.

Schleiereulen brauchen neben Nistplätzen auch ein gutes Jagdgebiet: Extensive Wiesen, Hecken, Bäume, Brachflächen. Harte Winter machen ihnen zu schaffen. Sie verhungern, wenn längere Zeit eine geschlossene Schneedecke liegt und sie keine Mäuse, ihre Hauptnahrung, jagen können.

Der Turmfalke besiedelt offene Kulturlandschaften und Siedlungen des ganzen Kantons Thurgau. Da brütet er ausschliesslich in Nistkästen und vereinzelt in Nischen von Gebäuden wie Ruinen oder Ökonomiegebäuden. Die letzten Bruten in verlassenen Rabenkrähennestern in Waldrandnähe und im Wald fand man in den siebziger Jahren. Turmfalken sind im Mittelland zwischen 1960 und 2000 immer seltener geworden, und der Fortpflanzungserfolg ging lokal zurück. Sein Rückgang wird in erster Linie auf die intensivierte Landwirtschaft zurückgeführt. Raschwüchsige, dicht stehende Kulturen und die geringe Beutetierdichte im Ackerland schmälern den Jagderfolg. Regional dürften fehlende Nistmöglichkeiten für die geringe Siedlungsdichte verantwortlich sein.

Schleiereule und Turmfalke stehen beide auf der Roten Liste der gefährdeten Vogelarten der Schweiz, sie sind potentiell gefährdet. Ebenso werden sie seit 2010 vom BAFU (Bundesamt für Umwelt) auf der Liste der Arten mit nationaler Priorität für die Erhaltung und Förderung geführt.

Vogelart Rote Liste Prioritätsart CH Massnahmen-bedarf Bestand TGum 1995(Brutpaare) AktuellerBestand ca.(Brutpaare)
Schleiereule pot. gefährdet sehr hoch klar 20 – 30 5 – 10
Turmfalke pot. gefährdet sehr hoch klar 150 200 – 300

Ziel des Artenförderungs-Projekts ist einerseits, den Bestand von Schleiereulen und Turmfalken auf Kantonsgebiet möglichst genau zu dokumentieren  und andererseits gezielt zu fördern. In Zusammenarbeit mit den Landwirten sollen neue Nistgelegenheiten geschaffen und geeignete Lebensräume durch ökologische Ausgleichsflächen aufgewertet werden.

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