Delegiertenversammlung des TVS in Pfyn

Rund 60 Delegierte aus allen Sektionen trafen sich am Samstag, 4. März 2017 in Pfyn zur alljährlichen Versammlung. Gastgeber war die örtliche Sektion, die dieses Jahr ihr 90jähriges Bestehen feiern kann.

Blumenstrauss für den Jubilar

Vorstand des Natur- und Vogelschutzvereins Pfyn

Gemeindepräsidentin Jacqueline Müller erwähnte in ihrer Begrüssung die geschichtlichen Wurzeln des ländlich geprägten Pfyn, aber auch – und das dürfte einmalig sein – dass praktisch alle Landwirte Mitglied des Pfyner Natur- und Vogelschutzvereins seien. Bäuerliche Kreise gründeten um die letzte Jahrhundertwende Vereinigungen, um ihre grossen Obstkulturen durch Förderung der Vögel besser vor Schädlingen zu schützen. Wie alle Jubilare erhielt auch der NVV Pfyn den obligaten Blumenstrauss.

Veränderung der Vogelwelt in den letzten 20 Jahren

Mathis Müller, TVS-Vorstandsmitglied und Präsident des NVV Pfyn

In seinem Referat zog Mathis Müller, Präsident des Natur- und Vogelschutzes Pfyn und Vorstandsmitglied Thurgauer Vogelschutzes, eine erste Bilanz aus den Kartierungen für den Brutvogelatlas für die Jahre 2013 bis 2016. Vogelzählungen in verschiedenen Quadratkilometer-Quadraten werden in Dichte- und Verbreitungskarten eingetragen und statistisch ausgewertet. Vögel reagieren sensibel auf Veränderungen ihrer Umgebung und stellen darum gute Indikatoren für unseren Umgang mit Natur und Landschaft dar. Aktuell zeigt sich, dass 40 Prozent der einheimischen Arten bedroht sind, weil ihre Lebensräume nur noch unzureichend ihren Bedürfnissen entsprechen oder gar gänzlich verschwunden sind. Gewässer und Feuchtgebiete gehören zu den artenreichsten Gebieten und weisen die meisten bedrohten Arten auf.

Verlierer und Gewinner

Grosse Verluste sind erneut bei der Feldlerche zu verzeichnen, aber auch die Zahlen alltäglicherer Arten wie Wachholderdrossel, Gartengrasmücke, Neuntöter oder Grauschnäpper haben im Thurgau wie auch schweizweit abgenommen. Artenförderungsprogramme bieten hier eine Möglichkeit, den Artenschwund zu bremsen. So hat sich die Schleiereulen- und Turmfalkenpopulation im Thurgau stabilisiert und sogar leicht zugenommen. Aufwertungsmassnahmen an Gewässern und milde Winter haben dem Eisvogel geholfen: Seit 2013 ist seine Zahl stark angewachsen. Gut geht es auch den Greifvögeln, ihr Bestand nimmt ebenfalls zu; der Wanderfalke ist neu in den Thurgau zugewandert. Die globale Klimaerwärmung bringt auch in der Vogelwelt Veränderungen mit sich: Die Bestände vieler zugewanderten Vögel schnellen in die Höhe und könnten in Zukunft möglicherweise heimische Arten bedrängen.

Kurze Versammlung

Routiniert und zügig führten die Co-Präsidenten Beat Leuch und Jakob Rohrer durch die Versammlung. Über zwei Traktanden hatten die anwesenden Delegierten abzustimmen: Die Erhöhung der Mitglieder-Beiträge sowie die Bestätigung des gesamten Kantonalvorstandes für eine weitere Amtszeit von drei Jahren. Beide Anträge wurden angenommen. Zudem konnte Nina Moser, Mitarbeiterin der Naturschutz-Fachstelle Kanton Thurgau als neues Vorstandsmitglied des Thurgauer Vogelschutzes gewonnen werden, was einstimmig bestätigt und mit Applaus verdankt wurde.

Neues aus dem SVS/Birdlife Schweiz

Geschäftsführer Werner Müller informierte über Aktuelles aus dem SVS. Erfreulich sind die Berichte aus den Artenförderungsprogrammen. Dank der Zusammenarbeit mit den Landwirten in verschiedenen Regionen der Schweiz konnte unter anderem das Aussterben des Steinkauzes verhindert werden. Der Bestand hat sich langsam erholt und ist letztes Jahr auf einen neuen Rekord angestiegen: Es wurden 152 Reviere gezählt.

Nach Blumenwiesen, Bäumen und Sträuchern liegt der Schwerpunkt im dritten Jahr der Kampagne «Natur im Siedlungsraum» bei Gewässern, Bächen, Tümpeln, Pfützen. Dementsprechend wurde die Wasseramsel zum Vogel des Jahres 2017 auserkoren. Die Wasseramsel ist als einziger tauchender sowie schwimmender Singvogel auf natürliche Gewässer im und am Siedlungsraum angewiesen.

Falkenvergiftungen durch Taubenzüchter

Während den letzten Jahren wurden immer wieder Falken vergiftet. Ambitionierte Taubenzüchter präparieren Tauben mit Gift, um so vermeintliche Feinde ihrer gezüchteten Renntauben auszurotten. Die Dunkelziffer ist hoch, weshalb Werner Müller um erhöhte Aufmerksamkeit bei Funden von toten Greifvögeln bittet. Ein Merkblatt des Schweizer Vogelschutzes SVS hilft weiter.

Besserer Schutz für Schwalben

Mit einer Verordnung vom 1. Januar 2017 des Thurgauer Regierungsrates sind Schwalben- und Seglernester nicht mehr nur während der Brutzeit geschützt. Mit Paragraph 37 «Schutz seltener Pflanzen und Tiere» aus dem Regierungsratsbeschluss 450.11 ist es unter anderem untersagt, «(…)Nester oder Brutstätten zu beschädigen, zu zerstören oder wegzunehmen (…)». Bei Fragen oder Problemen rund um Schwalben und Segler hilft der Thurgauer Vogelschutz TVS gerne weiter.

Der Thurgauer Vogelschutz TVS dankt dem Natur- und Vogelschutz Pfyn für die perfekte Organisation der Delegiertenversammlung 2017 und wünscht dem Vorstand und seinen Mitgliedern alles Gute für die Zukunft!

Regula Wendel, Präsidentin NVV Tannzapfenland und TVS-Vorstandsmitglied

(Fotos: Sonja Pais, Präsidentin NVV Lauchetal und TVS-Vorstandsmitglied)