Der Vogelschutz wird gelebt

OBERNEUNFORN ⋅ Die Vögel im Thurgau sind nicht nur von Pestiziden bedroht, sondern auch von Drohnen. Trotzdem sind im vergangenen Jahr 238 junge Turmfalken und 56 junge Schleiereulen im Kanton geschlüpft.
 
Nicht graue Theorie, sondern Einblicke ins Schutzgebiet mit seinen schwimmenden Inseln: Als Einstieg in die Delegiertenversammlung des Thurgauer Vogelschutzes (TVS) lud Cilia Besançon, die Präsidentin des Natur- und Vogelschutzvereins Neunforn (NVVN) zu einer kleinen Exkursion an den Barchetsee. Nach dem Rahmenprogramm und dem Aufwärmen bei Tee und Kaffee eröffneten Beat Leuch und Jakob Rohrer die Versammlung. Die Co-Präsidenten des TVS dankten dem Gastgeber und gratulierten dem NVVN zu seinem 50-jährigen Bestehen. Die Versammlung verabschiedete die statutarischen Geschäfte auf der umfangreichen Traktandenliste.
 
Stefan Bachmann von BirdLife Schweiz, dem nationalen Dachverband der Natur- und Vogelschutzorganisationen, zeigte sich über die bisherige Unterstützung der Kampagne «Biodiversität im Siedlungsraum» erfreut. In diesem Jahr sind begrünte Wände und Dächer ein Thema. Sie sollen dazu beitragen, die Auswirkungen des Klimawandels zu mindern, sie sollen helfen die Gebäude zu kühlen sowie die Temperaturen auszugleichen.
 
Bachmann orientierte über den Handlungsbedarf in verschiedenen Bereichen. Die zunehmende Anzahl von Drohnen beeinflusst die Vogelwelt. Es sei wichtig, die fliegenden Spielzeuge in Bahnen zu lenken, damit sie nicht in der Nähe von Nist- und Brutplätzen auftauchen.
 
Rund 50 Vogelarten sind auf Artenförderung angewiesen. Mathis Müller, Vorstandsmitglied des TVS, berichtete über Projekte im Thurgau. Erfolge sind sichtbar. Doch das Aufhängen von Nistkasten und ihre Kontrollen reichen nicht. 2017 brüteten neun Schleiereulenbrutpaare 56 Jungvögel und 58 Turmfalken 238 Jungvögel aus. Auch der Gartenrotschwanz gilt als gefährdet. Dieser Singvogel schätzt Hochstamm-Obstgärten und vielfältige Kulturlandschaften. An den Förderungsmassnahmen beteiligt sich auch der Kanton, für einige umgesetzte Massnahmen erhalten die Bauern Beiträge.
 
Mehlschwalben sind auf der roten Liste als «potenziell gefährdet» aufgeführt. Dank einer Verordnung des Thurgauer Regierungsrates sind ihre Nester nicht nur während der Brutzeit geschützt.
 
Wie die angeregte Diskussion zeigte, gibt es in Sachen Vogelschutz noch viel zu tun. Nicht nur in der Landwirtschaft werden Pestizide eingesetzt, sondern auch als Prävention gegen Insekten, Spinnen, Fliegen und Ameisen bei öffentlichen Gebäuden.
 
Zum Abschluss der Versammlung lobte Suzanne Oberer-Kundert, Präsidentin des Schweizer Vogelschutzes, den TVS: «Es läuft viel, Vogelschutz wird gelebt.»
 
Christine Luley, Thurgauer Zeitung