Wer hat hier gebaut? Vogelnest-Bestimmung an der Herbstversammlung

Im Auholzsaal in Sulgen stellten sich gestern, Samstag, 29. Oktober 2016 anlässlich der diesjährigen Herbstversammlung des Thurgauer Vogelschutzes mehr als 40 Teilnehmende der Herausforderung, über die Jahre hinweg während den Nisthöhlenkontrollen gesammelte Vogelnester zu bestimmen. Dass dies selbst für langjährige Mitglieder und erfahrene Vogelkundler gar nicht immer so einfach ist, bewiesen die angeregten Diskussionen über die einzelnen Exponate.

Cilia Besançon referiert über Nistkästen und deren Pflege

Cilia Besançon referiert über Nistkästen und deren Pflege

Die Sektionsmitglieder waren aufgerufen, Vogelnester mitzubringen, um sie gemeinsam zuzuordnen bzw. zu bestimmen. So kamen rund 50 Exemplare zusammen, die unterschiedlicher nicht hätten sein können. Von liebevoll geflochtenen Kunstwerken, beeindruckenden Mooshöhlen bis hin zu geradezu minimalistisch wirkenden Anhäufungen von losen Ästchen deuteten die Nester mehr oder weniger charakteristisch auf ihre gefiederten Erbauer hin. Unter der kundigen Leitung von Cilia Besançon (Vorstandsmitglied und Präsidentin Natur- und Vogelschutz Neunforn) sowie Mathis Müller (Vorstandsmitglied und Präsident Natur- und Vogelschutz Pfyn) wurden Tipps zu Nisthöhlen-Reinigung und Nestbestimmung vermittelt. “Die Ausrichtung der Nisthöhle spielt eine eher nebensächliche Rolle, solange kein Regen in das Nest eindringen kann”, erläuterte Cilia Besançon und wies auf die Vorzüge eines Vogelkastens mit Vorbau hin. Katzen und Marder können aufgrund dieser Konstruktion keine Jungvögel aus dem Nest angeln. Zudem bietet der Vorbau Schutz vor Regen und ermöglicht es den Altvögeln, ihr Gefieder im erhöhten, vom Nest abgegrenzten Bereich auszuschütteln, ohne die empfindliche Brut nass zu spritzen. “Bei der Nistkastenpflege reicht es, nur das alte Nistmaterial zu entfernen. Ein Ausflammen mit einem Bunsenbrenner ist nicht notwendig”, erklärte die Sektionspräsidentin während ihrer Ausführung.

Die Teilnehmenden hatten anschliessend Zeit, die ausgestellten Vogelnester zu identifizieren und ihre Antworten auf einem Fragebogen zu notieren. Diese Bestimmung erwies sich teilweise als wahrlich knifflig, was zu spannenden Gesprächen unter den Anwesenden führte. Die nachfolgende Auflösung der Antworten führte zu manchen Überraschungen, welche einmal mehr bewiesen, dass sich Tiere und ihr Verhalten nicht in ein abschliessendes Schema einteilen lassen.

Nach einer kurzen Pause leitete Jakob Rohrer, Co-Präsident des Thurgauer Vogelschutzes, den offiziellen Teil der Herbstversammlung ein. Während knapp zwei Stunden wurden diverse Themen diskutiert, unter anderem das provisorische Jahresprogramm 2017, welches den TVS und seine Sektionen auf ein abwechslungsreiches nächstes Jahr blicken lässt.