Schleiereulen- und Turmfalkenmonitoring im Thurgau – 2021

Seit 10 Jahren beteiligt sich der TVS am schweizweiten Turmfalken- und Schleierulen-Monitoring der schweizerischen Vogelwarte. Im Kanton Thurgau kontrollieren wir, zusammen mit den lokalen Sektionen 330 Nistkästen für Turmfalken (Falco tinnunculus) und Schleiereulen (Tyto alba). Die erfreulichen Bestandsentwicklungen der letzten Jahre konnten sich weiter fortsetzten (Abbildung 1). Erstmals konnten wir über 100 Brutversuche des Turmfalken in unseren Nistkästen beobachten. Bei 76 Bruten konnten wir das Brutgeschehen bis zum Ausfliegen der Jungvögel beobachten. Insgesamt wurden 319 junge Turmfalken flügge, 4.2 Jungvögel pro Brut. Auch bei den Schleiereulen setzt sich die positive Bestandsentwicklung der letzten Jahre fort. Dieses Jahr fanden 31 Schleiereulenbruten in unseren Nistkästen statt. Wiederum verteilten sich die Bruten über die Region Nussbaumersee, Steckborn, Weinfelden Amrsiwil bis nach Romanshorn und erstmals konnten wir auch eine Schleiereulenbrut in der Region Aadorf beobachten. Bei 29 Bruten konnten wir die Nestlinge beringen und bis zum Ausfliegen beobachten. 126 junge Schleiereulen flogen erfolgreich aus, die ersten bereits Ende Mai, die letzten Mitte September.

Dieses Jahr halfen wir auch bei einem Quecksilbermonitoring vom BAFU mit. In diesem Projekt wird die Anreicherung von Quecksilber vom Boden über die Wühlmäuse zu den Schleiereulen untersucht. Quecksilber ist hochtoxisch und wird hauptsächlich aus der Industrie über die Luft abgelagert. In der Schweiz fehlen neuere Daten über die Quecksilberbelastung im terrestrischen Ökosystem. Quecksilber lagert sich im Gewebe aber auch in Haaren und Federn von Säugetieren ab. Um die ganze Nahrungskette der Schleiereulen zu untersuchen, sammelten wir einerseits Bodenproben im Umkreis der Nistkästen. Anderseits sammelten wir Gewölle im Nistkasten, um die Quecksilberkonzentration im Fell der Mäuse zu bestimmen und Daunenfedern von den Nestlingen. Insgesamt konnten wir so Daten von 22 Bruten sammeln. Zurzeit werden die Proben an der Uni Bern durch die Doktorandin Sabnam Mahat analysiert. Wir werden im nächsten Jahresbericht über die Resultate informieren.

Um die Schleiereulen- und Turmfalkenpopulationen längerfristig auf eine stabile Populationsgrösse zu bringen und zu halten, reicht es jedoch nicht, einfach nur Nistkästen zur Verfügung zu stellen. Es braucht auch Aufwertungen in der Nähe der Nistkästen. Besonders die Schleiereule braucht ganzjährig ein geeignetes Futterangebot, da sie bei Futtermangel, im Gegensatz zum Turmfalken, praktisch keine Wanderungsbewegungen macht. Wir möchten in den kommenden Jahren vermehrt unser Wissen zur Förderung der beiden Arten gezielt den Landwirten und interessierten Landbesitzern zur Verfügung stellen, um so neue Nistgelegenheiten zu schaffen und geeignete Lebensräume ökologisch aufzuwerten. Um mich bei der Koordination des Projektes und vor allem bei den Beratungen der Landwirte zu unterstützen ist Nina Moser anfangs Jahr ins Projektteam mit eingestiegen.

Wir danken allen freiwilligen Helfer und Helferinnen welche beim Turmfalken- und Schleiereulen-Monitoring im Thurgau mithelfen. Nur danke Eurem unermüdlichen Einsatz für diese faszinierenden Arten, können wir dieses Projekt realisieren. Die beiden Arten sind weiterhin auf unsere Hilfe angewiesen und auch wir suchen noch weitere freiwillige Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen welche uns in diesem Projekt unterstützen! Bei Interesse melden sie sich bitte bei Bettina Almasi.

Auszug aus dem Jahresbericht 2021 (Text: Bettina Almasi).

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